Vortragsabend der Hemminger Frauenwoche bietet kritische wie humoristische Töne
Dem “Kult” auf der Spur: Lisa Kraus und Dorothea Tübinger
HEMMINGEN - Mit “Kult, Kultur, Urkultur” ist die diesjähreige Hemminger Frauenwoche überschrieben. “Was macht den Kult zum Kult?”, fragte Lisa Kraus sich und das Publikum am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus.
von Dirk Sonntag
Ein angenehmes Wechselbad der Emotionen bot sich den knapp 30 Besucherinnen des Vortragsabend, den die Saxophonistin Dorothea Tübinger mit Musik auflockerte. Besinnliches und Romantisches wechselten sich mit kritischen und humoristischen Beiträgen ab. Lisa Kraus und Dorothea Tübinger sorgten mit Stimme und Saxophon dafür, dass die rund 90 Minuten Programm wie im Flug vergingen.
Kraus ging in eigenen Vorträgen und rezitierten Gedichten der Frage nach: “Was macht den Kult zum Kult?” Ein Thema, das sie schon lange reizte, dann aber in der Vorbereitung auf das Programm fast zu überwältigen drohte. “Wir haben hier ein Fass ohne Boden geöffnet”, benannte sie das Problem. Beim Lesen unzähliger Bücher blieb ihr immer die Frage, wie sie sich dem Thema nähern sollte. Herausgekommen ist eine kritische Beschäftigung mit dem Sinn und dem Unsinn sowie dem Wandel von Kulten und dem Kulturbegriff.
Während Kulte in der frühen Menschheitsgeschichte eine einende, eine Gemeinschaft zusammenführende Funktion erfüllten, haben sie für Kraus heute eher eine gegnteilige Wirkung. Wer nicht kultig ist, gehört zur anonymen Masse und eben nicht zum elitären Kreis. “Der Kultbegriff hat sich verändert. Heute hat Kult etwas eitles. Eitelkeit trennt die Menschen”, stellte die Referentin fest. Zudem ufere der Kultbegriff immer weiter aus. “Alles ist heute Kult, und man läuft den verschiedenen Kulten hinterher.” Auch die Kultur werde heute nur noch konsumiert.
Das Programm sorgte immer für Abwechslung und vermied so jede Gefahr der Langeweile. Auf Reflexionen über das säkulare und somit kultferne 20. Jahrhundert mit seinen verheerenden Kriegen folgte eine augenzwinkernde Forderung im Stile Karl Valentins, gegen den Schwund der Kirchenbesucher eine staatlich verordnete Gottesdienstpflicht einzuführen.
Für die Zeit zum Luftholen und Nachdenken über das Gehörte sorgte Dorothea Tübinger mit gut auf die Vorträge abgestimmten Saxophonsoli, die mal ruhig, mal beschwingt vorgetragen wurden.
Viel zu schnell ging ein interessanter, anregender Abend vorbei, der mehr Besucher verdient gehabt hätte. Die wenigen Anwesenden waren begeistert, und das Duo Lisa Kraus und Dorothea Tübinger denkt nach dieser gelungenen Premiere über eine Erweiterung seines Programms nach.
In diesem Frühjahr produzieren das Freie Theater Tübingen und das Theater Tangere, Ludwigsburg, gemeinsam das Freilicht-Schauspiel "ORPHEUS. EURYDIKE. STIMMEN" (Premiere am 12. Juli bei den Klosterspielen Hirsau).
Das Anliegen der Inszenierung ist eine Spurensuche: Wer eigentlich ist Eurydike? Die alten Geschichten stellen uns eine rasch verschwundene Geliebte vor - aus der Sicht des Orpheus. Beim Sammeln von weiblichen Stimmen zu Eurydike wandelt sich auch der Blick auf Orpheus.
Als roten Faden durch die Darstellung des Geschehens hat die Koproduktion Rilkes großes Gedicht "ORPHEUS.EURYDIKE.HERMES" gewählt. Um diesen Text gruppieren sich Edith Sitwells "EURYDIKE" und Hilda Doolittles gleichnamiges Gedicht. Aus Rilkes "ERSTER DUINESER ELEGIE" erschließt sich ein fragender, klagender und einsichtiger Ton, der helfen kann, Gewinn und Verlust zu begreifen, wie sie sich in diesem Mythos ereignen.
Die Altistin Christel Borchers (München) sowie der Flötist Jürgen Borchers (Münchner Philharmoniker) stehen für diese Seite, die sowohl Fluchtpunkt wie Zuflucht und Sinngebung für Orpheus sein kann. Ein Frauen-Chor um die Sängerin Gabriele Pekusa (Stuttgart) und die Musikerin Dorothea Tübinger (Saxophon) verkörpert szenisch und stimmlich die Kräfte, mit denen Eurydike verbunden ist: Dunkle Wut, aber auch aufbegehrende Kraft und eine tiefe unzerstörbare Verbindung zum Leben. Die Kompositionen für die beiden musikalisch-sängerischen Beiträge wurden eigens für diese Inszenierung geschrieben. Dazwischen setzt die ordnende Kraft einer Buk-Trommel musikalische Satzzeichen.
Als besondere bildnerische Nuance der Inszenierung wird der Feuerkünstler Karl Rechtenbacher (Stuttgart) entflammbare Wege und Objekte im Spielraum installieren.
Lisa Kraus und Klaus Möller sind die Akteure des Spiels:
Ich bin nicht Orpheus - Ich bin nicht Eurydike. Sie richten die Gänge dieser FIGUREN neu ein, gehen ihnen nach, wenden sich nach ihnen um. Sie hören ihnen zu, wie ihre STIMMEN, wie ihr VERSTUMMEN in ihnen Raum, Gestalt und Gehör finden.
Zur Wiedererweckung des mythologischen Stoffes, der geradezu für den Ursprung des Singens und Sagens gehalten werden kann, eignet sich nach Auffassung des Teams Kraus / Möller die Poesie besonders. Neben der Freilicht-Inszenierung erarbeiten sie auch eine Fassung für Innenräume. Dabei möchten sie in erster Linie "atmosphärisch geprägte" Orte wie Kirchen und ähnliche, sakrale Räume bespielen.
Ein Stuhl, ein Telefon, glutrotes Briefpapier und eine von Leidenschaft gefesselte Frau: Lisa Kraus spielt im Ein-Personen-Stück »Die geliebte Stimme« von Jean Cocteau die ganze Palette weiblicher Gefühlswelt aus ...
... Rot geschminkter Mund und ein weißes, mit dunklen Furchen durchzogenes Gesicht, so betrat die Schauspielerin die Bühne und zog von der ersten Sekunde an die Zuschauer in ihren Bann: Sie litt, lachte, räkelte sich auf dem Boden und durchlebte mit jeder Faser ihres Körpers diese unglückselige Liaison zu einem Mann, der sie nun wegen einer anderen sitzen ließ. ....
... Wenn der Blick des Zuschauers ständig auf eine Person fällt, muß jede Bewegung, jedes Wort stimmen: Lisa Kraus nahm die Herausforderung erfolgreich an.
... Mittelpunkt auf der Bühne ist Lisa Kraus, die in der Barockstadt durch Schauspielerei und Lesungen bereits kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Sie hatte die anspruchsvolle Aufgabe, den einstündigen Monolog zu gestalten, was ihr auch ohne Längen glückte ....
... Im Februar 1930 gab Berthe Bovy - die Schauspielerin, für die Cocteau das Stück geschrieben hatte - die Premierenvorstellung von »Die geliebte Stimme«. Sie spielte die abgewiesene Geliebte, deren Freund beschlossen hatte, sie zu verlassen und eine andere zu heiraten. Doch die Palette von Gefühlen, die die unglückliche Frau am Telefon offenbart, ist zeitlos. Sie paßt ebenso in ein Pariser Theater des Jahres 1930 wie in die Ludwigsburger Karlskaserne im Jahre 1996. Dort litt am Mittwoch abend Lisa Kraus in der Hauptrolle ...
Gelungener Abend mit Theater Tangere
¨Komm rein, die Tür ist angelehnt" hieß das Programm von Theater Tangere, welches kürzlich Im Kulturzentrum aufgeführt wurde.
Mit einem wirbelnden Reigen aus Theater, Poesie, Musik und Tanz hat Lisa Kraus mit ihrem Ensemble ihr Publikum wieder in den Bann gezogen. Ein von Frank Eisele virtuos gespieltes Akkordeon beginnt mit argentinischem Tango, zu dem Renate Fischinger und Christian Riedmüller ihre Beine zu unmöglich scheinenden Schritten verknoten. Es folgen eindrucksvolle farbige, oft schrille und brüskierende, Sze- nen um Liebe, Eros, Sex, gepaart mit Einsamkeit, Trauer, und Abschied, nahtlos verbunden durch das Akkordeonspiel, so daß dem Publikum keine Zeit zum Verschnaufen bleibt. Nur vage lassen sich hinter den von Lisa Kraus gekonnt und differenziert inszenierten Blldern Gedichte von Brecht, Lasker-Schüler, Enzensberger, Fassbinder, Rimbaud, Garica Lorca, um nur einige zu nennen, wiedererkennen. Theater pur, jedes Gedicht eine Geschichte: Gerlinde Jung, überzeugende Alte mit Einkaufswagen und Stulle, vergleicht ihre Kindheit im Dreck, „aber geordnet“, mit der heutigen Welt mit ihren Bildern von nackten Männem und Frauen und fragt sich, ob das die große Freiheit ist. Eine Frau im Jogging-Dreß mit Hanteln trimmt sich, keuchend, um als Hure besser Lust in Kleingeld verwandeln zu können. Oder die sogenannte anständige Frau mit Brille und Kostüm, beide dargestellt durch Lisa Kraus, deklamiert das Lexikon der Erotik und steigert sich in eine extatische Leidenschaft. Adam und Eva im Paradies erscheinen in skurrilen Kostümen von Sylvia Dubb, mit Schlangen an gewissen Stellen und .stellen fest, daß „Du mich brauchst“. So präsentiert macht Literatur nicht nur den „eingeweihten Literaten" Spaß. Ein gelungener Abend mit verdientem Applaus.
Nur wenig Zuschauer kamen zu Theater Tangere
Besigheim - Das Theater Tangere gastierte mit dem Programm „Komm rein, die Tür ist angelehnt" in der Stadthalle vor nur wenigen Besuchern. Das tat der Show allerdings keinen Abbruch. Die knapp 50 Zuschauer waren hellauf begeistert.
Das Theater Tangere ist eine Mischung aus Musik, Tanz, Poesie und Slapstick. Ein Mix, der Experimentierfreude und Lebendigkeit auf die Bühne zauberte. Frank Eisele begleitete am Akkordeon die rauschenden, fast schon akrobatischen Tangoschritte von Renate Fischinger und Christian Riedmüller. Lisa Kraus und Gerlinde Jung rezitierten nicht nur, sondern spielten gleichsam poetische Texte und Lyrik auf ihre ganz eigene Art, bewiesen Interpretationskunst. Eine Verquickung von Musik, Tanz, Wort und Spiel. Thema: die Liebe. Christian Riedmüller, in schwarzer Hose und weißem lässigen Hemd mit Hosenträgern, war der Adonis. Er hatte etwas von einem Handwerker der zwanziger Jahre im Sonntagsstaat, der im Kaffeehaus nach einer Liebelei sucht. Er umgarnte seine Tänzerin Renate Fischinger mit engen Tanzbewegungen, einer Rose im Mundwinkel und der lechzenden Selbstsicherheit eines Gigolos. Sie war die Erotik pur. Hin und wieder blitzte das schwarze Strumpfband am Oberschenkel auf. Der rote BH, nicht versteckt, offenbarte Lust auf Liebe. Ihr Tango, die ausgefeilten Schrittkombinationen und die begleitende Musik waren erotische Anmache, Suche nach Liebe und Distanz zugleich. In der Atmosphäre des Tanztheaters spielten Lisa Kraus und Gerlinde Jung gemeinsam oder als Solodarstellerinnen bekannte oder von Lisa Kraus verfaßte poetische Texte. „Liebe macht Angst, Liebe hält gefangen, Liebe macht Spaß, Liebe macht frei, Liebe ist geil". In fast 20 Textausschnitten von zum Beispiel Bertold Brecht, Else Lasker-Schüler, Rainer Werner Fassbinder, Hans Magnus Enzensberger und Arthur Rimbaud zeigte sich, was und wie Liebe sein kann. Die Spielerinnen waren in ihren wechselnden Rollen gefangen. Eine große Leistung, denn sie mußten sich innerhalb von nur wenigen Minuten auf neue Texte einstellen und neu kostümieren. Die Darstellungen waren experimentell. Gerlinde Jung schrubbte als junge Hausfrau ein Glas bis zur vollkommenen Poliertheit und rezitierte dazu „Meine Schamröte" von Lasker-Schüler. Lisa Kraus verpackte die „Kleine Schule der Erotik" von Gioconda Belli in ein Oberlehrerinnengehaspel und wurde dabei selber ganz heiß.
TÜBINGEN (dhe.) Ein Paar tanzt starr, fast wiederwillig und offensiv stumm einen Tango. Erotik ist nicht einfach heutzutage. Schon sind nochmal gut hundert Jahre vergangen, seit Rimbaud sich zurück in die Antike imaginierte. Zu Göttern, „die vor Sehnsucht rasend in Baumrinden bissen“. Und erst recht, seit sich die „Institutionen der Liebe in offener Auflösung“ befinden. Das siebte Gebot, das Patriarchat, die ökonomische Abhängigkeit der Frauen, ja, nicht einmal der Wunsch nach Fortpflanzung zählt mehr. „Warum sind wir immer wieder enttäuscht? Warum beklagen wir uns?“ Und wozu sich diesem schwierigen, flüchtigen Gefühl auch noch über die Literatur in ihrer artifiziellsten Form, dem Gedicht, nähern?
Mit „Komm` rein, die Tür ist angelehnt“ scheint das kleine Theater Tangere aus Ludwigsburg die Antwort zu kennen. Auch wenn der Samstagabend im Vorstadttheater in der Katharinenstraße mit einem denkbar unerotischen Musikinstrument einsetzt. Aber dieses Akkordeon hat ein rotes Innenleben, kennt ungeahnte Nuancen und wird mit seinem Spieler (Frank Eisele) am Rand der Bühne das Geschehen wie ein Chor begleiten und kommentieren.
Zwei Paravents strukturieren die Bühne - später werden sie in subtilen Schattenspielen zeigen, wie sehr Andeutung und Umrisse zu fesseln vermögen. Vorerst sind sie und ein paar Bistrotische die sparsamen Requisiten, vor denen Lisa Kraus und Gerlinde Jung erotische Prototypen promenieren lassen. Gedichte von Rimbaud, Hans Magnus Enzensberger oder Federico Garcia Lorca, Texte von Rainer Werner Fasbinder und Peter Schneider inspirierten die beiden Schauspielerinnen, sich zu verwandeln: in eine bizarre Nonne, einen Macho, eine Seherin oder eine gestrenge Lehrerin, bei der den Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleibt. Die beiden Tangotänzer (Renate Fischinger und Christian Riedmüller) sehen es blasiert, mit Zigarettenspitze rauchend, bis sie, nun in Abendrobe, die Bühne für sich übernehmen. Immer noch stumm, aber erheblich geschmeidiger gleiten sie dahin.
„Es gibt keine größere Geschichte als die von uns beiden, von Mann und Frau“, resümieren die beiden Hauptdarstellerinnen, nachdem sie diese ganze erotische Menagerie auf die Bretter gebracht haben. Wobei sie dem heterosexuellen Mainstream dadurch ein Schnippchen schlagen, dass beide Figuren von Frauen dargestellt werden.
„Erst das Staunen“, hebt die eine an, „erst das Staunen“, ergänzt die andere, „erst das Staunen über Mann und Frau hat mich zum Menschen gemacht“, beenden Lisa Kraus und Gerlinde Jung schließlich alternierend ihre brillante Vorführung. So kommt auch noch der „Himmel über Berlin“ auf die Tübinger Vorstadtbühne. Dann funkeln nur noch die Teellichte an den leeren Bistrotischen; aber die Texte von Else Lasker-Schüler, Hans-Magnus Enzensberger oder Bertolt Brecht fügen sich in diese kleine literarische Revue, als hätte das kleine Ensemble sie eigens für diesen Abend erfunden.
Theater und Tanz / Uraltes Spiel um Werben und Zurückweisen
Am Anfang war das Staunen
„Theater Tangere“ präsentiert erotische Gedichte in der Zachersmühle
„Lyrik soll alle Sinne ansprechen“, so die Idee von Lisa Kraus. Unter ihrer Regie setzte das Ensemble „Theater Tangere“ in der Zachersmühle erotische Gedichte in Szene. Das Programm: eine Kombination aus Schauspiel und Tanz, musikalisch umrahmt von Frank Eisele.
KATIA VARGAS
Liebesschmerz und Lebenslust - der Tango bringt zum Ausdruck was zwischen den Zeilen von Bert Brecht bis Arthur Rimbaud steht. „Das Staunen über Mann und Frau“ (Wim Wenders) verbirgt sich auch hinter der Auswahl der Texte, die das Ensemble mit viel Gespür zusammengestellt hat.
Ein Thema so zeitlos wie die Liebe selbst ist das Verhältnis von Nähe und Distanz. Die Gedichte haben das Aufbrechen der Geschlechterrollen zum Inhalt, spielen mit überkommenen Klischees, hinterfragen die Institutionen der Liebe, die sich in offener Auflösung befinden. Und immer wiederholt sich das uralte Spiel um Werben und Zurückweisung. Tänzerisch umgesetzt wird dies von Renate Fischinger und Christian Riedmüller. Die erotische Spannung bringt die Luft zum Vibrieren, „dies faule Drehen, dies lässig nach mir fassen“ (Brechts „Liebesgewohnheiten“) wird spürbar für das Publikum.
Mit viel Gefühl trägt Frank Eisele den musikalischen Part, treibt die Tänzer auseinender, um sie wieder zusammenzuführen, hilft mit seinem Akkordeon „Liebe zu säen in einer Wüste“. Die Frage wo, denn „in einer Welt, in der keiner keinen mehr braucht“, die Freiheit geblieben sei, stellen Lisa Kraus und Gerlinde Jung auf eindringliche Weise. Sie übersetzen Gefühle in Bilder, machen die Worte lebendig. Die originellen Requisiten und ihr eindrucksvoller Vortrag ernten viel Applaus. Man spürt es selbst: wer die Lust hat, hat auch die Qual. Am Schluß möchte man sich trotzdem mit „Theater Tangere“ Brecht anschließen und „es in der Zeitung drucken, wie schön das Leben ist“.
Märchenlesung "Das hässliche junge Entlein" in der Stadtbücherei
Gerlingen - Das Geschnatter und Gepiepe war groß im dritten Stock der Stadtbücherei Gerlingen. Viele Kinder waren der Einladung des Theater Tangere gefolgt, sich eine Märchenlesung mit Musik anzuhören und anzuschauen. "Das hässliche junge Entlein" stand anlässlich des 200. Geburtstages von Hans Christian Andersen auf dem Programm.Große erwartungsvolle Kinderaugen schauten auf Lisa Kraus und Stefanie Hellener-Franz vom Theater Tangere.
"Wir haben euch eine Geschichte mitgebracht", kündigte Lisa Kraus an. Da waren viele Kinder
schon nicht mehr zu halten, denn sie wussten schon, dass es um das Märchen vom hässlichen kleinen Entlein gehen wird.
Allerdings ist die Märchenlesung mit Musik etwas ganz anderes als alles, was die Kinder bisher kannten.
Zum Warmwerden durften die Kinder erst einmal aufstehen. Dann wurden die Mitmach-Szenen der Kinder geübt, Schnattern, piepen, mit den Flügeln schlagen,
sich putzen, eben alles, was eine Ente so macht, wurde geübt. Dazu gehörte auch der Enten-Rap, den Pianistin
und Rhythmikerin Stefanie Hellener-Franz extra komponiert hatte. Die Kinder machten begesitert mit, auch als es um
den Katervers oder Windgeräusche ging. Lisa Kraus erzählte den erwartungvoll blickenden Kindern dann die Geschichte vom "Hässlichen kleinen Entlein".
Wie es unter lauter hübschen Entenkindern geboren wurde, für einen Truthahn gehalten wurde, aber doch schwimmen konnte.
Deshalb nahm die Entenmutter das kleine hässliche Entlein als ihr etwas zu groß geratenes Kind an. Im Entenhof
wurde es allerdings gejagt, gehänselt und von der Magd mit Füßen getreten. Da beschloss es, seinen eigenen Weg zu gehen.
Aber selbst den Wildenten war das Entlein zu hässlich. Im harten Winter fror es fast auf dem See fest, aber ein Bauer
rettete das arme Entlein und nahm es mit in seine Stube, wo die Kinder und die Bäuerin sich über das Entlein amüsierten.
Da blieb ihm mal wieder nichts als die Flucht. Es kam bei einer alten Frau unter, die mit ihrem Kater und einer Henne lebte.
Auch dort war es nicht willkommen, weil es keine Eier legte. Deshalb suchte es sich wieder ein anderes
Plätzchen. Im darauffolgenden Frühling wurde aus dem kleinen hässlichen Entlein ein stolzer Schwan.
Dieses Märchen vom langen leidvollen Weg des hässlichen jungen Entleins, ist ein Märchen vom Ausgesetztsein,
von Selbsterkenntnis und vom An- und Heimkommen. Lisa Kraus und Stefanie Hellener-Franz
führten in zauberhafter Weise die kleinen Zuhörer mit rhythmischen und kleinen tänzerischen Mitspielsequenzen
durch das Märchen.
Das Theater Tangere wurde 1996 von Lisa Kraus, einer Schauspielerin, Theaterpädagogin, Choreographin und Regisseurin gegründet.
Es bietet Workshops für Tanztheater mit Elementen des Argentinischen Tangos, Maskenbaukurse, Einzelunterricht,
Regie für Theatergruppen und Eigenproduktionen von Stücken und Lesungen an. Geboren wurde Lisa Kraus 1951.
Sie arbeitete als freie Schauspielerin und Regisseurin, bevor sie das Theater Tangere gegründet hatte. Zum
Repertoire gehören Theaterproduktionen und szenische Lesungen in unterschiedlichen Besetzungen,
zum Teil in Verbindung mit Tanz. Die Märchenlesung in Zusammenarbeit mit Stefanie Hellener-Franz steht anlässlich des 200. Geburtstags von Hans Christian Andersen auf dem Programm.
cs
31. Oktober 2005
Besigheim
(er) - Ganz im Zeichen des dänischen Dichters Hans-Christian Andersen stand das Wochenende bei der Besigheimer Studiobühne.Zwei Märchen des berühmten Dänen, der vor 200 Jahren geboren wurde, fesselten die jungen Zuschauer genauso wie ihre Eltern.
Den Anfang machte "Die Schneekönigin", erzählt von der Schauspielerin Diane Marstboom von "Nellys Puppentheater" aus Stuttgart.
Ihr ausladend schwarzes Gewand mit unzähligen Taschen war die geheimnisvolle Kulisse, aus der nicht nur die Pupe der kleinen Gerda erschien,
sondern auch Rabe, Schlitten und vieles mehr, dem das Mädchen auf der Suche nach ihrem Freund Kai begegnet,
der von der Schneekönigin in den eisigen Norden entführt worden ist. Wenige Mittel, effektvoll eingesetzt, genügten Diane Marstboom,
um in dem dunklen Steinhauskeller eine spannungsvolle Atmosphäre zu erzeugen.
Geheimnisvoll funkelt die silberne Krone der kalten Herrscherin, die sich abwechselnd in die Großmutter oder in einen Räuber verwandelt.
Hier zeigt die Schauspielerin ihre Wandlungsfähigkeit und wandert mit Gerda von Szene zu Szene, bis die beiden Kinder glücklich vereint sind.
Ganz anders, aber ebenso beeindruckend, erzählten am Sonntag die Schauspielerin Lisa Kraus und die Rhythmikerin Stefanie Hellener-Franz
vom "Theater in der Stub" aus Ludwigsburg das Märchen vom "Hässlichen Entlein". Hier durften die Kinder sogar mitspielen,
Stefanie Hellener-Franz hatte eigens für die kleinen Enten einen Rap komponiert, entfaltete auf verschiedenen rhythmischen
Instrumenten Stimmen und Stimmungen und setzte am Klavier dramaturgische Akzente.