14.04.2008
Fünf lautstarke Frauen mischen den "Wilden Mann" auf: "Gleis 4" und Lisa Kraus
Fünf Frauen im "Wilden Mann": Das Saxophonquartett "Gleis 4" und Lisa Kraus begeisterten mit einem Mix aus Musik und Texten von Pablo Neruda.Kirsten Oechsner
Bad Urach. Tango und Klezmer-Musik, rockig, populäre Klänge und Klassik von Debussy:
Kunterbunt ist das Repertoire der "Gleis 4"-Saxophonistinnen. Und so wenig, wie sie sich beim gemeinsamen Programm mit der Schauspielerin
Lisa Kraus musikalisch in ein Schema pressen lassen, so eigenwillig leben sie ihre Musik und verbinden sie gerne mit anderen Künstlerinnen.
Dorothea Tübinger war einst als reisende Musikerin viel auf Europas Straßen unterwegs, lebt seit einem Jahrzehnt
in Tübingen und unterrichtet Saxophon: Sie verschmilzt mit ihrem Instrument regelrecht zu einer Einheit, beeindruckt
mit ihren Soli - Szenenapplaus bleibt da nicht aus.
Den gab's auch für Heike Rögert, die in Basel und Genf Klarinette studierte, festes Mitglied in Musicalorchestern
war und jetzt als Freiberuflerin musiziert - den Zuschaern gefällt ihr Spiel. Nicht anders bei der bigbanderfahrenen
Christina Schoch, die einen groovigen Sound beiträgt. Das Quartett wird komplettiert von Silke Panknin,
einer Könnerin an ihrem Instrument, die als bildende Künstlerin mit dem Projekt "Passage 26" durch die
Bahnhöfe Europas tourt - dort fotografiert sie Passanten. Die Saxophonistinnen verzaubern das Publikum musikalisch, und Lisa Kraus zieht mit
zauberhaften Wörtern in ihren Bann. Sie liest aus dem "Buch der Fragen" (1974) des chilenischen Dichters Pablo Neruda.
Er stellt Fragen an das Leben, formuliert in der "Ode an die Traurigkeit" nie ausgesprochene Gedanken - die vertieft
das Publikum dann bei den passenden Saxophonklängen. Bilder kommen darauf, bei jedem Zuschauer andere in der großen Gemeinschaft.
Frech und frivol, eigensinnig und tiefsinnig die Musik. Nicht anders die Fragen und Oden Nerudas. "Wie bringe ich der Schildkröte bei,
dass ich noch langsamer bin als sie?"
heißt es einmal. Auf die Ode an den Wein folgt diejenige an die Socken, die Seife oder an das Zusammenspiel von Salat und Zwiebel.
"Du machst uns weinen, ohne uns zu betrügen." Nachhaltig beeindruckt zeigt sich das Publikum von der Ode
an die Tomate und der detaillierten poetischen Beschreibung, wie sich das Messer in ihr blutrotes Fruchtfleisch senkt.
"Gleis 4 plus Kraus" bringen einen Abend lang Leben in das eigentlich geschlossene Gasthaus "Wilder Mann" - drei Zugaben wurden gegeben. Und die Initiative
Kulturach als Veranstalter ist damit wieder zu ihren konzeptionellen Wurzeln zurückgekehrt. Kultur in leer
stehende Räume zu holen. Weiter geht's am 9. Mai in einer Scheune (Böhringer Straße, Hengen) mit dem Irish-Folk-Duo "Unknown friends".
Foto: Oechsner
Marbach & Bottwartal, 22.10.2008
Affalterbacher Grundschüler lernen in einem lustigen Stück die Bibliothek im Rathaus kennen.
Affalterbach. Knallbuntes Theater und ohrenbetäubendes "Hau ab"-Geschrei hat der Affalterbacher Ratssaal am Dienstagmorgen zum ersten Mal erlebt. Der Auftritt des Theaters Tangere schloss mit einem Rap und führte 81 faszinierte Apfelbachschüler in die Bücherei.Sehr raffiniert stellen das diese beiden Mäuse an, die als Theater Tangere
kleine Leser und auch Nichtleser neugierig machen auf so ein Bücherhaus, wie die Bücherei in dem Stück genannt wird. "Die Hände in die Hosentasche", kam folglich in der Bücherei im Affalterbacher
Rathaus immer wieder die Mahnung, weil das eine oder andere Kind nicht an sich halten konnte und ganz einfach zum Buch
greifen musste.
Geplant war allerdings nur eine Stippvisite nach dem Theaterstück "Ratz Fatz Opa Glatz", damit auch jedes Mädchen und jeder Junge
aus diesen vier gemischten ersten und zweiten Klassen der Apfelbachschule
in Zukunft weiß, wo die Schatzkammer voller "Pappenklappenbücher", Hörspielkassetten, Videos und Musik-DCs zu finden ist.
Klitsch, klitsch, klatsch, begann der Ich-will-lesen-lernen-Rap, bei dem die faszinierten Zuschauer im Ratssaal sofort
mitmachten und mit "Rieke ist 'ne schlaue Maus, lockt Atze gleich ins Bücherhaus" ging es rappend aus dem Rasssaal hinaus.
Dass Lesen wie Fliegen oder Verreisen und alles neu ist, das hatten die 81 kleinen Zuschauer natürlich längst kapiert
und selbst Steffen Döttinger war ganz begeistert von diesen zwei Mäusen, die das Lesen tanzend, singend und spielend so
verführerischt machten. Der Affalterbacher Bürgermeister war natürlich auch anwesend, als 81 Kinder ohrenbetäubend laut und aus
Leibeskräften "Hau ab" schreien durften. Es wurde gekichert, gelacht und mitgeplappert in diesem Stück, in dem schon
irgendwann einleuchtet, was Klugsein tatsächlich bedeutet: stark zu sein, wie der laute und auftrumpfende Supermann Atze behauptet, der allerdings nicht lesen kann, oder ist es eher
diese piepsige Rieke-Maus mit dem doch sehr verkehrten rosraoten Fell, die sich in der Welt der Bücher auskennt.
"Wer nur fernsieht, wird irgendwann dumm", hatte Sonja Hübner eingangs zu den Kindern gesagt und ihnen erzählt,
in Büchern steckten Schätze des Lebens. Das Entdecken koste sie nichts, weil die Gemeinde viel Geld dafür ausgebe.
Die Affalterbacher Büchereileiterin hat Tangere in der Stadtbibliothek in Ludwigsburg entdeckt
und zur Aktion "Lesestart" eingeladen. Die beiden so unterschiedlichen Mäuse sind die Schauspielerin Lisa Kraus (Atze)
und die Musikpädagogin Stefanie Hellener-Franz (Rieke) aus Ludwigsburg. Das Stück "Ratz Fatz Opa Glatz" wurde eigens für Schulanfänger
entwickelt. Die Kinder in Affalterbach haben gebannt mit großen Augen gelauscht, und sie haben mit Leib und Seele
mitgemacht bei diesen Mäuse-Abenteuern rund um das Lesen, die am Ende sogar mit den Händen in den Hosentaschen in diese Schatzkammer Bücherei führten.
Als Steffen Döttinger im Ratssaal fragte, wer schon lesen könne und einen Leseausweis habe, da streckte ungefähr die Hälfte der Kinder.
Als er wissen will, ob Lesen Spaß mache, ruft die Menge ganz laut "jaaah". Wenn sich auch noch die andere Hälfte der
Apfelbachschüler diese kostenlose Eintrittskarte in die Bücherei im neuen Rathaus von Sonja Hübner abholt, dann sind sie
und Tangere mit dem "Lesestart"-Stück am Ziel.
Ludwigsburg 13.03.08
Lesen mach Spaß. Diese Botschaft stand gestern beim Auftakt der 5. "Aktion Lesestart" im Mittelpunkt. Erstklässler sollen dabei für das Schmökern und den regelmäßigen Besuch der Bibliothek begeistert werden.
Michaela la Corte
Alle Grundschulen der Stadt werden in den kommenden Wochen in die Stadtbilbiothek eingeladen.
980 Schüler lernen so, die riesige Mediensammlung im Kulturzentrum kennen.
Zum gestrigen Auftakt waren die Erstklässler der Eichendorffschlue aus Grünbühl in die Stadtbibliothek gekommen.
Begrüßt wurden die Kleinen durch den Bibliotheksleiter Thomas Seigfried, die Leseaktionsleiterin Isolde Jagsch und Ludwigsburgs ersten Bürgermeister Konrad Seigfried.
Zusammen vermittelten sie den Kindern vor allem eine Botschaft: "Wir wollen, dass ihr alle ganz viel lest und dass ihr Lust am Lesen habt."
Wie spannend Lesen sein kann, zeigte später die Aufführung des Ludwigsburger Theaters Tangere, das mit seinem Stück
"Ratz Fatz Opa Glatz" die Kinder in seinen Bann zog. Die beiden Mäuse Atze und Rieke - gespielt von Lisa Kraus
und Stefanie Hellener-Franz - unterhalten sich über das Lesen. Rieke kann lesen, Atze nicht. Und Atze will nun wissen,
wie Lesesn geht. "Lesen ist wie fliegen oder verreisen", meint Rieke.
Mit einem "Atze-will-lesen-Rap" überredet sie ihn schließlich zum Lesenlernen. Rieke verspricht Atze durch das Lesen
einen Schlüssel zu einer Schatzkammer" voll mit Wissen, Abenteuer und Fantasie.
Genau diesen Schlüssel hielt Projektleiterin Isolde Jagsch nach dem Stück für die Eichendorffschüler
bereit und führte die Kleinen in die "riesige Schatzkammer " - die Kinderabteilung der Bibliothek mit über 20000 Medien.
Den Kindern soll so die Angst vor der großen Bibliothek genommen werden, "so dass sie vielleicht auch mal
ohne Eltern zum Lesen vorbeikommen", meint Isolde Jagsch. Zusätzlich fordert das Projekt die Eltern in einer siebensprachigen
Broschüre dazu auf, mehr mit ihren Kindern zu lesen.